Anja Flotzinger, BSc. - Physiotherapeutin
Vielleicht kennen Sie das: Beim Blick in den Spiegel steht eine Schulter etwas höher als die andere. Oder ein Röntgenbild, das eigentlich wegen Rückenschmerzen gemacht wurde, bringt plötzlich den Begriff „Skoliose" ins Spiel. Für viele Menschen klingt das zunächst beunruhigend – nach etwas Schiefem, das sich nicht mehr geraderücken lässt.
Die gute Nachricht vorweg: Eine Skoliose im Erwachsenenalter ist in den allermeisten Fällen kein Grund zur Sorge, sondern ein Befund, mit dem sich gut und aktiv leben lässt. Entscheidend ist, ihn richtig einzuordnen.
Was ist eine Skoliose?
Als Skoliose bezeichnet man eine Verkrümmung der Wirbelsäule, die nicht nur zur Seite verläuft, sondern bei der sich die einzelnen Wirbel zusätzlich um die eigene Achse verdrehen. Fachleute sprechen deshalb von einer dreidimensionalen Formveränderung. Sichtbar wird sie manchmal an einer höherstehenden Schulter, einer betonten Taillenfalte oder einer leichten Vorwölbung der Rippen beim Vorbeugen.
Von einer Skoliose spricht man ab einer Abweichung von mehr als 10 Grad im Röntgenbild – gemessen als sogenannter Cobb-Winkel. Bei Erwachsenen gibt es zwei Hauptformen:
- Fortbestehende Skoliose: Sie ist bereits im Jugendalter entstanden und begleitet die Person seither.
- Degenerative Skoliose: Sie entwickelt sich erst ab etwa dem 50. Lebensjahr, wenn Bandscheiben und Wirbelgelenke ungleichmäßig verschleißen.
Wie häufig ist eine Skoliose?
Häufiger, als die meisten vermuten. Im Jugendalter betrifft sie rund zwei bis vier Prozent der Bevölkerung. Im höheren Alter steigt der Anteil deutlich an: Je nach Studie und Messkriterium finden sich bei Menschen über 60 Jahren Werte von 30 Prozent und mehr.
Viele dieser Menschen wissen gar nichts davon – die Krümmung wird oft zufällig entdeckt, weil sie überhaupt keine Beschwerden verursacht.
Ist eine Skoliose schlimm?
In den meisten Fällen: nein. Und vor allem gilt: Das Ausmaß der Krümmung sagt wenig darüber aus, wie stark jemand tatsächlich unter Beschwerden leidet. Es gibt Menschen mit deutlicher Skoliose und ohne jede Einschränkung – und Menschen mit einer leichten Abweichung und wiederkehrenden Rückenschmerzen.
Größere Krümmungen können im Erwachsenenalter langsam zunehmen, meist im Bereich weniger Grad pro Jahr. Ärztlich abklären sollten Sie Ihre Beschwerden allerdings, wenn Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Kraftverlust in den Beinen auftreten, wenn Schmerzen beim Gehen zunehmen und sich im Sitzen bessern oder wenn sich Ihre Körperform in kurzer Zeit sichtbar verändert.
Was sollte man bei einer Skoliose tun?
Der wichtigste Schritt ist eine gute Bestandsaufnahme: Wie beweglich ist Ihre Wirbelsäule, wo sitzt die muskuläre Belastung, welche Alltagssituationen bereiten Beschwerden? Darauf aufbauend ist Bewegung das zentrale Mittel:
- Skoliose spezifische Übungen, welche die Wirbelsäule gezielt aufrichten.
- Kräftigung der Rumpfmuskulatur, damit die Wirbelsäule stabil geführt wird
- Atemübungen, weil eine Krümmung im Brustbereich die Rippenbeweglichkeit beeinflusst
- Regelmäßige Ausdauerbewegung wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Alltagsanpassungen an Arbeitsplatz, Sitzposition und Hebetechnik
Ziel ist dabei nicht, die Wirbelsäule „gerade zu machen" – das wäre unrealistisch. Ziel ist eine belastbare, schmerzarme und gut geführte Wirbelsäule. Ein pauschales Sportverbot gibt es übrigens nicht. Die meisten Sportarten sind mit einer Skoliose gut möglich.
Gemeinsam den nächsten Schritt gehen!
Eine Skoliose ist kein Schicksal, sondern eine individuelle Form, mit der man arbeiten kann. Was für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihrem Befund, Ihrem Alltag und Ihren Zielen ab.
Ich nehme mir Zeit für eine ausführliche Befundaufnahme und entwickle gemeinsam mit Ihnen ein Übungsprogramm, das zu Ihrem Leben passt. Vereinbaren Sie gerne einen Termin für ein Erstgespräch – telefonisch oder über mein Kontaktformular.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle Beratung. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
